Der Kavallerist erobert den Himmel

The Cavalryman Takes to the Skies

Manfred von Richthofen begann den Ersten Weltkrieg nicht in einem Flugzeug. Er war ein preußischer Kavallerieoffizier – eine prestigeträchtige Rolle, die in den schlammigen, statischen Schützengräben der Westfront jedoch schnell obsolet wurde. Frustriert und voller Tatendrang schrieb er bekanntlich an seinen Kommandanten: „Ich bin nicht in den Krieg gezogen, um Käse und Eier zu sammeln, sondern für einen anderen Zweck.“ Dieser Zweck, so entschied er, lag in den Wolken. 1915 wechselte er zu den Fliegertruppen des Deutschen Kaiserreiches.
Nachdem er 1917 das Kommando über seine eigene Jagdstaffel übernommen hatte, traf er eine Entscheidung, die seinen Platz in der Geschichte zementieren sollte: Er strich sein Albatros-Kampfflugzeug in einem leuchtenden, blutroten Ton an.

In einer Zeit, in der die meisten Flugzeuge zur Tarnung in matten Grün- und Brauntönen gehalten waren, war dies eine enorme Machtdemonstration. Es war eine psychologische Taktik, um seine Feinde einzuschüchtern und es seinen eigenen Piloten zu ermöglichen, ihn im Chaos eines Luftkampfes leicht zu erkennen. Es funktionierte. Der Anblick des roten Flugzeugs versetzte die alliierten Piloten in Angst und Schrecken, und die Legende vom „Roten Baron“ war geboren.

Seine Einheit, das Jagdgeschwader 1, wurde als „Fliegender Zirkus“ bekannt – wegen ihrer farbenfrohen Flugzeuge und der Tatsache, dass sie wie ein Wandercircus von Sektor zu Sektor entlang der Frontlinien zog. Unter seiner Führung dominierte der Fliegende Zirkus den Himmel. Richthofen selbst erzielte letztlich 80 bestätigte Luftsiege – die höchste Zahl aller Piloten im gesamten Krieg.

Das Glück des Roten Barons verließ ihn am 21. April 1918 über dem Fluss Somme in Frankreich. Während er einen kanadischen Fluganfänger in gefährlich geringer Höhe verfolgte, geriet Richthofen sowohl vom Boden (durch australische Infanterie) als auch aus der Luft (durch den kanadischen Piloten Arthur Roy Brown) unter schweren Beschuss. Eine einzige Kugel traf ihn in die Brust.

Als letzter Beweis seines Könnens gelang es Richthofen noch, seinen berühmten roten Fokker Dr.I-Dreidecker halbwegs kontrolliert zu landen, bevor er verstarb.

Der vielleicht unglaublichste Teil der Geschichte des Roten Barons ist das, was nach seinem Absturz geschah. Die alliierten Truppen, die seine Leiche bargen, behandelten ihn nicht wie einen verhassten Feind. Stattdessen begruben sie den 25-jährigen „Fliegerass aller Fliegerasse“ mit vollen militärischen Ehren. Ein alliierter Pilot flog sogar über die deutschen Linien, um eine Nachricht abzuwerfen, die sie über seinen Tod informierte. Darauf stand: „An das deutsche Fliegerkorps. Rittmeister von Richthofen wurde im Luftkampf getötet... Er wurde mit allen militärischen Ehren beigesetzt.“